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Zweimal Bismarck

Die Wuppertaler Bismarckdenkmäler

Autor(en):

Göttingen, 01. Januar 1996
Seiten: 156
Auflage: 1
Sprache:
ISBN-10: 3897121182
ISBN-13: 9783897121188

Zugeordnete Fachbereiche:

Kategorie:

Sachbuch

Bezugsmöglichkeiten

Print Version 18,00 €
17,10 €
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Kurzbeschreibung

Rezension:

Der Verfasser, der schon 1996 mit einer Veröffentlichung zur Barmer Ruhmeshalle hervorgetreten ist, widmet sich quasi in einer Fortsetzung seiner Interessen an Denkmälern als Äußerungen bürgerlicher politischer Kultur den beiden Wuppertaler Bismarck-denkmälem. Das Sujet ist in den letzten Jahren von Jeismann über Hardtwig bis Koselleck im nationalen Rahmen breit bearbeitet worden - der Forschungsstand wird von Engelskirchen auch für die lokale Betrachtung rezipiert und nutzbar gemacht.
Die beiden Bismarckdenkmäler sind das aus dem Jahr 1900 stammende vor dem Barmer Rathaus, das nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Hugo Lederer geschaffen wurde, und der 1907 errichtete Bismarckturm der Städte Barmen und Elberfeld an der Stadtgrenze auf der Hardt, der unter Leitung des Elberfelder Stadtbaurats Lothar Schönfelder als Feuersäule erbaut wurde. Der Verfasser widmet sich neben den künstle¬rischen Entwürfen und ihrer Realisierung besonders den Feierlichkeiten der Einweihung der Denkmale und der Berichterstattung in der Presse. Er weist nach, daß von einer einheitlichen Erinnerungskultur des Bürgertums im späten Kaiserreich nicht mehr die Rede sein kann. Besonders mit Blick auf die Barmer Ruhmeshalle als nationalem Einheitsdenkmal für Wilhelm I. stand die Bismarck-Verehrung im Zwielicht widerstreitender Interpretationen und Auslegungen. Vor allem die Zeitungen, die im Zeichen demokratischer Pressefreiheit nicht mehr zensuriert werden konnten, trugen in unterschiedlichem Maße und in entgegengesetzten politischen Richtungen zur Mobilisierung politischer Öffentlichkeit bei, wie der Verfasser anhand der Einweihungsberichte aufzeigt. Interesse dürfte die These von Engelskirchen wecken, daß die Errichtung des Bismarckturms durch beide Städte von den Honoratiorenschichten schon als Entwicklung hin zur Städtevereinigung verstanden wurde und auch so gesehen werden sollte.
Nach 1918 erlebten die beiden Denkmale eine wechselvolle Geschichte: erst als Zeugen verhaßter alter Verhältnisse geschmäht, fanden sie in Kriegervereinen und auf der politischen Rechten neue interessierte Betrachter. Der Bismarck-Mythos erlebte zwar auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance, doch bald wurden beide Denkmäler nur noch zu unberührten „Straßenmöbeln", wie es der Verfasser nennt. Doch das „Verstummen der Denkmäler" beschreibt Engelskirchen nur noch als Ausklang. Seine Darstellung zur Denkmalsgeschichte - wenngleich auch etwas essayistischer als der Vorgängerband - regt zum Vergleich mit anderen bergischen Städten an.

Stefan Ehrenpreis, Berlin

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