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Die Vorträge des Dr. Ludwig Baum
Der moderne Mensch zwischen humanistischer Bildung und religiöser Verantwortung
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Autor(en):
Dresden, 12. Dezember 2009
Seiten: 304
Auflage: 1 Aufl. Hardcover
Sprache: DE
ISBN-10: 3869551852
ISBN-13: 9783869551852
Zugeordnete Fachbereiche:
Allgemein
Kategorie:
Sachbuch
Bezugsmöglichkeiten
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Kurzbeschreibung
http://www.dr-ludwig-baum.de/Zum_Gedenken.html
Rezensionen
Herausgegeben von Adolf Finger und Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sind 2009 bei Cuivillier, Göttingen, „Die Vorträge des Dr. Ludwig Baum“ mit dem Untertitel
„Der moderne Mensch zwischen humanistischer Bildung und religiöser Verantwortung“ erschienen, (303 Seiten).
Wer war Ludwig Baum? Ludwig Baum (1896 bis 1973), katholischer Priester und, wie er einmal sagte, ein Doktor der Philosophie, der auch wirklich Philosophie studiert hätte und diesen Beruf auch immer noch ausübe, war von 1925 bis 1933 und dann wiederum von 1945 bis 1966 Studentenseelsorger in Dresden, [und zeitweilig Dozent an der TH Dresden]. Er war ein hochgebildeter und ungemein anregender Vortragender und eine Persönlichkeit von großer geistiger Souveränität. Für viele jener Dresdner Studierenden, die sich in den zwei Jahrzehnten nach dem Ende von Krieg und Nationalsozialismus in der Katholischen Studentengemeinde zusammenfanden, ist sein Wirken bis heute unvergesslich und lebensprägend. Aber auch über den Kreis der eigentlichen „Baumschüler“ hinaus waren seine Vorträge in den Katholischen Studentengemeinden in der DDR ein Ereignis und sein Name ist „im Osten“ unter katholischen Akademikern immer noch bekannt. So wecken auch in mir, einem Nichtdresdner, die Vorträge so manche Erinnerung an einen ganz ungewöhnlichen Menschen.
Warum können diese Vorträge auch jene mit Gewinn lesen, denen der Name Ludwig Baum neu ist? Weil hier Geschichte lebendig wird. Weil wir hier erfahren, was Katholizität geistig bedeuten konnte in einer Stadt und in einem Land, die zwölf Jahre nationalsozialistische Diktatur durchlebt hatten und danach fast nahtlos eine neue Diktatur und einen neuen totalen Zugriffs auf den Menschen erfahren mussten. In einem solchen Kontext wollen diese Vorträge in die Komplexität von Geschichte und in den Reichtum von Kultur einführen. Sie wollen nicht vereinnahmen, sondern bilden. Sie sind geistige Zurüstung durch Denkangebote in einer zunehmend entchristlichen Welt, die immer zudringlicher einen umfassenden Sinn- und Deutungsanspruch erhob. Man kann diese Vorträge als selbstbewusste katholische Aufklärung lesen. Ihre Themen sind „Konzilien, Exil, Schisma“, „Thomas Morus“, „Goethes Faust“, Scientia et Religio“, um nur einige zu nennen. Natürlich sind sie in dem Sinne zeitbedingt, dass sie sich an einen bestimmten Zuhörerkreis richten und dessen Fragen und Probleme im Blick haben. Zugleich kann man heute nur staunen, welch geistiger Anstrengung sich damals ein großer Kreis von jungen Menschen abends zu stellen bereit war. Freilich lassen sie manchmal auch eine den Heutigen fern stehende Welt wieder erstehen. Baums Ehevortrag „Betrachtungen über das Leben zu zweit“ zeugte damals von mutiger Gelassenheit. Heute würde wohl auch eine Katholische Studentengemeinde seine Selbstverständlichkeiten eher als ungewöhnlich ansehen. Umgekehrt mag heute in Baums Erinnerungen an die Anfänge katholischer Studentenarbeit in Deutschland und speziell in Sachsen ein Satz wie „Die Regierung war damals sozialdemokratisch, das heißt sehr wohlwollend“ als harmlos erscheinen. Doch als er dies sagte, waren für die herrschende SED Sozialdemokraten als „Arbeiterverräter“ fast noch schlimmer als „der Kriegstreiber Adenauer“. Zugleich lagen im Westen die Zeiten noch nicht lange zurück, als sozialdemokratische Wahlkämpfer mit Hilfe katholischer Kirchenglocken am Reden gehindert wurden.
Ein besonderer Reiz dieser anspruchsvollen und auch nicht gerade kurzen Vorträge besteht darin, dass sie alle frei gehalten wurden, gestützt lediglich auf einen kleinen Merkzettel. Wer wagt das heute noch? Für die Drucklegung bedeutete dies, das gesprochene und mit aus heutiger Sicht unzulänglichen technischen Mitteln festgehaltene Wort erst zu verschriftlichen. Eine solche Leistung verlangt zunächst einmal großen Respekt. Dieser Respekt wird auch nicht durch die altbekannte Tatsache verringert, dass man nur das versteht, was man kennt.
Könnte es sein, dass auf S. 20 die „offenbar noch provinzielle, zugewiesene Stadt Rom“ von Ludwig Baum als „providentiell zugewiesene Stadt“ gemeint war? Ganz sicher handelt es sich jedenfalls beim „Reichsdeportationshauptschluss“ auf S. 225 um den 1803 gefassten Reichsdeputationshauptschluss, welcher nun in der Tat empfindliche Eingriffe in den Besitzstand der katholischen Kirche vornahm, aber ganz gewiss niemanden deportiert hat.
Die Bildauswahl und die Gestaltung des Einbandes entsprechen nicht unbedingt heutigem Zeitgeschmack und erscheinen mir gerade deshalb angemessen, wenn nicht sogar stilvoll. Allerdings stimmt die Bildunterschrift auf S. 240 nicht, wie ich aus eigener Anschauung weiß.
Insgesamt also ein empfehlenswertes Buch – ganz sicher für alle, die Ludwig Baum noch erleben konnten, aber auch für jene, welche Geschichtsvergessenheit nicht als Freiheitsgewinn missdeuten.
Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Berlin
(ehem. Minister für Wissenschaft und Kunst in Sachsen und lanjähriger Präsident des ZdK)
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