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Das Potsdamer Dreikönigstreffen 1709

Autor(en):

Potsdam, 09. Juli 2008
Seiten: 200
Auflage: 1 Aufl.
Sprache: DE
ISBN-10: 3867276382
ISBN-13: 9783867276382

Zugeordnete Fachbereiche:

Geschichtswissenschaften

Kategorie:

Allgemein

Bezugsmöglichkeiten

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Kurzbeschreibung

Die Zusammenkunft des ersten preußischen Königs Friedrich I. mit seinen Standesgenossen Friedrich IV. von Dänemark und August II. (dem Starken) von Polen im Juli des Jahres 1709 in Potsdam ist ohne Zweifel eines der außergewöhnlichsten Ereignisse in der brandenburgisch-preußischen Geschichte. Dennoch ist dieses später so genannte „Dreikönigstreffen“ von der Geschichtsschreibung fast völlig unbeachtet geblieben und heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Dies verwundert umso mehr, da sich doch scheinbar die Möglichkeit bot, in Gegenwart zweier auswärtiger Monarchen das erst wenige Jahre alte preußische Königtum einer europäischen Öffentlichkeit in der Sprache des höfischen Zeremoniells und der höfischen Zeichen zu präsentieren. Die vorliegende Studie bietet erstmalig eine eingehende Untersuchung der Zusammenkunft und eine Einordnung in den Rahmen der preußischen Geschichte.

Rezensionen

Czech, Vinzenz, Das Potsdamer Dreikönigstreffen 1709. Möglichkeiten und Grenzen höfisch-dynastischer Selbstdarstellung in Brandenburg-Preußen, Göttingen 2008, Cuvillier, 198 S.

Mit seiner Studie über das Potsdamer Dreikönigstreffen widmet sich Vinzenz Czech einem Ereignis, dem in der Geschichte des Alten Reiches auch schon dem Urteil der Zeitgenossen nach ein singulärer Charakter zukommt: der fast zweiwöchigen Zusammenkunft der Monarchen Preußens, Dänemarks und Polen in Potsdam, Berlin und Umgebung im Juli des Jahres 1709. Entstanden ist die Monographie als eine Art Nebenprodukt zu der vom Historischen und Germanistischen Institut der Universität Potsdam betreuten Edition der Schriften des preußischen Oberzeremonienmeisters Johann von Besser (1654-1729). Sie gliedert sich in zwei Teile. Der eigentlichen Analyse der Begegnung (7-99) folgt ein ausführlicher, annähernd den gleichen Raum einnehmender Anhang bislang nicht editierter Quellen (101-192), auf die sich die Ausführung Czechs hauptsächlich stützen. Besonders den neu entdecken Bericht von Bessers über die Herrscherzusammenkunft würdigt der Verfasser als „Außerordentliche Quelle zur Entstehung und Entwicklung zeremonieller Abläufe am Hof des ersten preußischen Königs“ (46). Die Tatsache, dass dieser durch das Treffen dreier gekrönter Häupter konstituierte „Ernstfall dynastischer Prestigekonkurrenz“ (7) von der Historiographie vernachlässigt wurde, nimmt der Autor zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung. Insbesondere das bislang unberücksichtigte Quellenmaterial mache eine „Neue Sicht auf die Begegnung und eine Einordnung des Dreikönigstreffen in dem Rahmen der preußischen Geschichte“ (9) erforderlich – eine Aufgabe, der sich Czech aus landesgeschichtlicher Perspektive annimmt.

Ausgehend von der bisherigen Quellensituation (10-17) und der historiographischen Tradition (17-24), in der das Treffen durch anekdotenhafte Verbrämung geradezu zu einem „Großereignis“ (24) barocker Hofkultur stilisiert wurde, wird sehr schnell die auffallende „Diskrepanz zwischen der Einmaligkeit des Ereignisses und der von preußischer Seite organisierten Ausgestaltung des Treffens (16) deutlich. Äußerst quellennah, anschaulich und in sehr dichtem Stil beschreibt Czech im Folgenden den Ablauf des Besuchs Friedrichs IV. von Dänemark und Augusts des Starken beim preußischen König Friedrich I. Er legt dabei zu Recht Wert auf die Einbettung der Zusammenkunft in dem Nordischen Krieg als politischen Kontext, der wie der unmittelbar vorausgehende Aufenthalt des Dänenkönigs bei seinem sächsischen Vetter (25-33) die Begegnung der Souveräne überhaupt erst ermöglichte. Durch die Analyse der Abfolge von Bällen, Galatafeln, Theateraufführungen und sonstiger typischer Festelemente (44-82), die den Rahmen des Dreikönigstreffen bildeten, kann der Autor zeigen, dass diese kein besonderer Aufwand kennzeichnete, ja, dass sie vielmehr zum „Standardrepertoire jeden Fürstenhofes im Alten Reich“ (60) gehörten. Diese Tatsache schreibt Czech der von den königlichen Gästen bewusst intendierten „Zeremoniell reduzierten(n) Atmosphäre“ (69) zu, die einer glanzvollen Selbstinszenierung des preußischen Königs von vorherein eine Riegel vorschieben sollte. Auch die spärlichen Spüren, die das Ereignis in der Kunst hinterlassen hat (82-84), dienen als Beleg dafür, dass sich die Zusammenkunft für Preußen „weder politisch noch dynastisch instrumentalisieren“ ließ (99). Dass dieses magere Resultat einer der Gründe für die Abkehr Friedrich Wilhelms I. vom höfischen Glanz seines Vaters war, leuchtet zwar ein, jedoch begibt sich Czech hier eindeutig in den Bereich der Spekulation und bleibt einen Belegt dafür schuldig (97).

Angesichts der Tatsache, dass für die Monarchen selbst und die übrigen Zeitgenossen ein Treffen dreier Könige „bislang […] jenseits aller Vorstellungen“ (39) lag, verwundert es nicht, dass das Zeremoniell und die damit verbundene Rangfrage von Anfang an im Zentrum des Geschehens standen. Die diesem Aspekt gewidmeten Ausführungen Czechs (z.B. 38-43) gehörten demzufolge zu den instruktivsten Teilen der Arbeit illustrieren an einem konkreten Beispiel die überragende Bedeutung zeremonieller Praxis für die Konstituierung des Ranges in der europäischen Fürstengesellschaft. Gerade auch die absichtlich oder durch menschliches Versagen herbeigeführten „Durchbrechungen“ des Zeremoniells, das dadurch seinen „Zeichenwert“ (50) verlor, unterstreichen dies zusätzlich.

Obwohl der Autor insgesamt gesehen seinem Anspruch, dem Dreikönigstreffen in landesgeschichtlicher Hinsicht einen neuen Stellenwert zu verschaffen, vollkommen gerecht wird, vermisst man bisweilen im Text aktuelle Arbeiten zum Zeremoniell aus dem Bereich der neueren Kunstgeschichte, gerade weil Czech vereinzelt mit Begriffen wie „Zeichensprache“ (33) oder „Zeichenwert“ operiert. Einige zusätzliche abstrahierende Aussagen hätten der Studie gewiss nicht geschadet – vereinzelt wirkt der rein landesgeschichtliche Blick dann doch etwas verengend. Trotzdem besitzt diese detailreiche mikrohistorische Studie - vor allem auch wegen der ausführlichen Quellenedition – ihren eigenen Wert, der sie für weitere vergleichende Arbeiten prädestiniert.

Lorenz Baibl, Münster
Zeitschrift für Historische Forschung - 37. Band 2010 - Heft 2

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