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Deutsche Totenlieder aus Osteuropa

Untersuchungen zu Brauchtumsliedern aus ehemaligen deutschen Sprachinseln

Autor(en):

Göttingen, 14. Februar 2008
Seiten: 274
Auflage: 1
Band: 113
Sprache: DE
ISBN-10: 386727519X
ISBN-13: 9783867275194

Zugeordnete Fachbereiche:

Kunstwissenschaften

Kategorie:

Dissertation

Bezugsmöglichkeiten

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Kurzbeschreibung

Sogenannte „Totenlieder“ sind Brauchtumslieder, die außerhalb der Liturgie von den Trauernden gesungen wurden. Sie sind in die Gattung „Geistliche Volkslieder“ einzuordnen, hier unter der Bezeichnung „Totenlieder der Funktion nach“ (manche Lieder erklangen auch als Wallfahrts- oder Brautlieder).
Es sind Strophenlieder mit einem reichen Vorkommen an Stufenintervallen, großenteils im Ambitus einer Oktave. Regional unterschiedlich erklangen in Deutsch-Mokra (Karpato- Ukraine) die Lieder überwiegend in Moll, in Rudolfsgnad (jugoslawisch Banat) und im Sudetenland überwiegend in Dur, während im Sudetenland auch viel zweistimmig in Dreiklangsharmonik gesungen wurde.
Der Text, der der Melodie meist syllabisch unterlegt ist, unterscheidet sich inhaltlich mehrfach: er ist entweder allgemeiner Natur (Heldenepos, Betrachtungen über das Leben und die Vergänglichkeit, Totentanzlied, etc.), oder er drückt sehr persönliche Gedanken aus, die wiederum entweder der verstorbenen Person in den Mund gelegt werden oder von den Angehörigen übermittelt werden sollen.
Diese Unterscheidungen ergeben folgende regionale Eigenheiten: In Deutsch-Mokra (gegr. 1775), deren Auswanderer Waldarbeiter aus Oberösterreich waren, hat man während der Totenwacht im Sterbehaus gesungen. Das waren Gemeinschaftsgesänge, bei denen vielstrophige Lieder mit allgemeinen Inhalten erklangen, um die Nacht zu durchwachen.
In Rudolfsgnad (gegr. 1866), deren Auswanderer seit 1718 als Bauern überwiegend aus Bayern und der Pfalz kamen, erklangen nur am Sterbehaus auf dem Hof nach der Aussegnung und am Grab vor oder nach dem Sargabsenken sehr persönliche Lieder. Sie wurden von einer einzelnen Person vorgetragen, meist nach den lateinischen Liedern, die von der Liturgie vorgegeben waren. In den Liedern verabschiedete sich entweder die verstorbene Person von den einzelnen Angehörigen, oder die Hinterbliebenen drückten ihren Schmerz und ihre Abschiedswünsche aus.
In den übrigen hier dokumentierten Regionen Hauerland, Sudentenland oder Wolga wurde überwiegend von Gesängen am Grab, vereinzelt auch nach der Aussegnung auf dem Hof am Sterbehaus, berichtet.
Die Melodien sind immer mündlich tradiert, dabei häufig den persönlichen Texten angepasst und verändert worden, weshalb sich deren Alter und Herkunft nicht mehr genau nachweisenlassen.
Die Texte sind hingegen seit dem späten 17. Jh. schriftlich überliefert durch Flugblätter, selten auch in einem Gesangbuch, meist aber durch die wiederholten Abschriften in die jeweiligen persönlichen Liederhefte.
Mit Hilfe dieser „Geistlichen Volkslieder“ haben sich die Menschen früher die Möglichkeit bewahrt, ihre Volksfrömmigkeit nicht nur in Gebeten oder liturgischen Gesängen auszudrücken, sondern auch jenseits der strengen kirchlichen Ordnung gerade in den persönlichen Liedern ihre Ehrfurcht vor Gott und ihre Hoffnung nach einem Wiedersehen mit den lieben Verstorbenen im Himmel kundzutun.

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